Chronische Lebererkrankung (CLD) ist eine Erkrankung, welche durch eine fortschreitende Schädigung der Leber gekennzeichnet ist. Diese konstante Schädigung der Leber, beispielsweise durch virale Infektionen kann zunächst zur Entzündung der Leber auch Hepatitis genannt und im Endstadium zur Leberzirrhose führen, eine irreversible Vernarbung der Leber, durch die die Leberfunktion stark eingeschränkt wird. Eine tödliche Komplikation der Leberzirrhose ist das Krankheitssyndrom Akut-auf-chronisches Leberversagen (ACLF). ACLF ist charakterisiert durch ein Ein- oder Mehrorganversagen bei zugrundeliegender Leberzirrhose und einer extrem hohen Kurzzeit-Mortalität. Auslöser für ein ACLF können unterschiedlich oder auch multifaktoriell sein. Häufige Auslöser sind bakterielle Infektionen oder auch virale Infektionen. So ist zum Beispiel eine Infektion mit dem Hepatitis B Virus (HBV) der häufigste Trigger für die Entwicklung eines ACLFs in bestimmten Teilen von Asien, (wie z. B. China). Andere Viren kommen als Trigger ebenfalls in Betracht. Beispielweise können das Cytomegalovirus (CMV) oder das Epstein-Barr Virus (EBV) ebenfalls im Zuge einer systemischen Infektion eine virale Hepatitis verursachen. Jedoch wurden diese Viren im Kontext von CLD und dessen Komplikationen wie zum Beispiel ACLF noch nicht weitreichend und systematisch untersucht. Auch wenn andere Hepatitis induzierende Viren, wie zum Beispiels das Hepatitis D Virus (HDV), welches bekanntermaßen die aggressivste Form der viralen Hepatitis auslöst, im Gegensatz dazu bereits systematisch im Kontext der CLD untersucht worden sind, gibt es eine Vielzahl pathogener Mechanismen, welche noch nicht weitrechend aufgeklärt worden sind und entsprechend nicht effektiv interveniert werden können. Deshalb war das übergeordnete Ziel dieser Promotion die Identifizierung und Charakterisierung unterschiedlicher pathogener Mechanismen von Hepatitis-induzierenden Viren in verschiedenen Kontexten von chronischen Lebererkrankungen. Die identifizierten pathogenen Mechanismen sollten langfristig als potenziell adressierbare Targets dienen. Entsprechend wurden in die folgende kumulative Dissertation vier verschiedene Publikationen inkludiert, ein Übersichtsartikel, zwei in vitro Studien und eine translationale Studie. In der translationalen Studie wurde untersucht, ob CMV- und EBV-Infektionen oder Reaktivierungen mit der Entwicklung von ACLF assoziieren. Dafür wurden über 200 Patient*innen auf das Vorhandensein von CMV- oder EBV-DNAämie untersucht, und die entsprechenden Virämien mit den klinischen Parametern der Patient*innen korreliert. Tatsächlich konnte gezeigt werden das ACLF Patient*innen eine höhere Prävalenz von CMV- und EBV-DNAämie aufweisen und dass die CMV- und EBV-DNAämie stark mit der Schwere der Leber-Erkrankung, mehreren Organversagen und mit einer erhöhten Mortalität korreliert. Darüber hinaus, wiesen CMV- und EBV-DNAämische ACLF Patient*innen eine erhöhte Inflammation im Vergleich zu nicht-DNAämischen ACLF Patienten auf. Daher postulieren wir, dass CMV- und EBV-DNAämie routinemäßig in chronisch Leber-erkrankten Patient*innen als Marker untersucht werden und wenn möglich therapiert werden sollte um den Krankheitsverlauf der betroffenen Patient*innen positiv zu beeinflussen. Ein weiteres Ziel dieser Promotion war es, pathogene Mechanismen von HDV mittels in vitro Studien zu untersuchen. Wie zuvor erwähnt induziert HDV die aggressivste Form viraler Hepatitis mit einem sehr hohen Risiko zur Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms. Trotz wesentlicher Fortschritte in der Therapie von HDV-Infektionen sind die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten immer noch ineffizient, da HDV nicht immer vollständig eliminiert werden kann und die Virämie teilweise nach Aussetzen der Behandlung erneut steigt. Darüber hinaus sind noch viele pathogene Mechanismen von HDV unbekannt. Daher sind neue Erkenntnisse in der HDV-Forschung zwingend notwendig. Um zunächst den aktuellen Wissensstand in der HDV-Forschung zusammenzufassen, wurde nach intensiver Recherche-Arbeit ein Übersichtsartikel verfasst, welcher einige der zellulären Wirtsproteine, die mit den viralen Komponenten von HDV, insbesondere mit den zwei Protein-Isoformen S-HDAg und L-HDAg und dem HDV-RNA-Genom interagieren, zusammenfasst. Einige der Hürden, welche im Zuge der Recherche-Arbeit erkannt worden sind, war einerseits der Mangel an gut charakterisierten HDV spezifischen Antikörpern, welche gewissenhaft für in vitro Studien genutzt werden konnte und andererseits die hohe Dunkelziffer in der HDV-Diagnose auf Grund von teuren und komplexen diagnostischen Methoden, welche in ärmeren Regionen kaum zugänglich sind. Um diese Punkte zu adressieren wurden in einer weiteren Studie zunächst hoch-affine HDV spezifische Antikörper generiert. Diese hoch-affinen Antikörper wurden hinsichtlich der Bindungsspezifität, -Kinetik und in Korrelation mit in situ Studien hinsichtlich der Epitop-Erkennung charakterisiert. Wesentliche Erkenntnisse der Studie waren, dass einige der hoch immunogenen Domänen vom HDV viralen Protein S-HDAg im nativen Zustand des Proteins maskiert sind und entsprechend nicht zugänglich sind, andere wiederum werden vermutlich erst durch Interkation mit dem viralen Genom zugänglich. Darüber hinaus wurde als Proof-of-Concept gezeigt, dass mittels der neu generierten Antikörper ein hoch sensitiver ELISA etabliert werden konnte, welcher die quantitative Detektion von HDV ermöglicht und langfristig als kostengünstige Alternative zu herkömmlichen teuren, und entsprechend schwer zugänglichen diagnostischen Methoden verwenden könnte. Um schlussendlich pathogene...